Segelflieger aus Hodenhagen heben in Namibia ab – über 1.300 Kilometer ohne Motor

Hodenhagen / Namibia – Wenn in Niedersachsen Winterruhe auf den Flugplätzen einkehrt, beginnt für die Segelflieger des Aero Club Hodenhagen die intensivste Zeit des Jahres: Seit vielen Jahren zieht es eine feste Gruppe des Vereins in den Wintermonaten nach Namibia – einem der besten Segelflugreviere der Welt. Auch in diesem Jahr nutzten die Piloten von November 2025 bis Januar 2026 die außergewöhnlichen Bedingungen im südlichen Afrika für spektakuläre Streckenflüge.

Stationiert ist die Gruppe auf der Pokweni Lodge, einer speziell auf Segelflieger ausgerichteten Lodge im namibischen Hochland. Von hier aus starten die Piloten ihre Flüge über scheinbar endlose Landschaften: Savanne, Buschland und Wüste ziehen langsam unter den Tragflächen vorbei – oft stundenlang ohne eine einzige Straße oder Siedlung in Sicht.

Vier Segelflugzeuge aus Hodenhagen sind in diesem Winter vor Ort. Bereits Wochen vor Reisebeginn wurden die Flugzeuge sorgfältig zerlegt und in Containern per Schiff nach Afrika transportiert. Vor Ort folgt dann der Wiederaufbau – Präzisionsarbeit, die genauso dazugehört wie das tägliche Briefing am Morgen.

Dieses Briefing ist fester Bestandteil der Tradition: Axel Nuß und Markus Langemann analysieren gemeinsam Wetterkarten, Thermikprognosen und mögliche Routen. „Die Basis liegt hier oft extrem hoch, teils deutlich über 4.000 Meter“, erklärt Langemann. „Das verändert das ganze Fliegen – man denkt in völlig anderen Dimensionen.“

Neben Nuß und Langemann gehört auch Anja Barfuß zur Crew und bringt eine weitere Perspektive in die tägliche Auswertung der Flüge ein. Geflogen wird nicht nur ambitioniert, sondern auch gemeinschaftlich: Nach der Landung werden die Strecken analysiert, Entscheidungen diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht.

Die Leistungen sprechen für sich. Tagesstrecken von weit über 1.000 Kilometern sind keine Ausnahme. Besonders herausragend: Am 16. Dezember 2025 absolvierte Markus Langemann einen Flug über 1.334 Kilometer – ausschließlich im Segelflug, ohne Motorunterstützung. Start und Landung erfolgten jeweils in Pokweni, die Flugzeit betrug über neun Stunden. Eine persönliche Bestleistung und ein eindrucksvoller Beweis für die außergewöhnlichen Bedingungen Namibias.

Doch es sind nicht nur Zahlen, die diese Reise prägen. Immer wieder berichten die Piloten von besonderen Momenten: Wildtiere, die aus der Luft zu sehen sind, lange Gleitphasen ohne einen einzigen Thermikkreis, und das Gefühl, völlig allein über einer riesigen Landschaft zu schweben.
„Namibia ist Segelflug in einer anderen Dimension“, sagt Langemann. „So frei habe ich mich beim Fliegen noch nie gefühlt.“

Dass der Aero Club Hodenhagen diese Reise jedes Jahr organisiert, ist längst mehr als nur ein Trainingslager. Es ist gelebte Vereinsgemeinschaft, Erfahrungsaustausch über Ländergrenzen hinweg – und eine Quelle von Eindrücken, die weit über den Flugsport hinausgehen.

Mit vielen Flugstunden, neuen persönlichen Rekorden und unvergesslichen Erlebnissen kehren die Segelflieger nun nach Hodenhagen zurück. Die Erinnerungen an die Weite Namibias, die kraftvolle Thermik und die stillen Stunden über der Wüste werden sie noch lange begleiten – bis es im nächsten Winter wieder heißt: Container packen, Flugzeuge verladen und Kurs Südafrika… pardon: Namibia